Kriegssplitter Neuerdings wurde ein Klagemauer auf dem Goslarer Marktplatz vorgeschlagen. Hierzu ein Leserbrief von Wolf Berndes zur Ablehnung des Beitritts zur Cities-for-Peace-Beitritts durch den Rat der Stadt Goslar hier.
Propst Liersch in der Goslarschen Zeitung vom 5. April 2003 in seinem Wort zum Sonntag unter dem Stichwort "Würde":
"... Klar ist mir, was nicht passieren darf. ich darf mich nicht daran gewöhnen. Jedes Sterben im Krieg ist eine Niederlage der Menschlichkeit. Ich darf nicht zynisch werden, nach dem Motto: 'Wo gehobelt wird, da fallen Späne.' Ich darf mich nicht erheben über Leute, die etwas tun: weiße Tücher raushängen, Mahnwachen halten, ein Licht anzünden, beten. Ich darf nicht um einer Parteitaktik willen Unrecht übersehen oder gar gut heißen. Jeder Mensch ist wie ein persönlicher Freund. Jeder Mensch hat seine eigene Würde. Ich darf niemanden abschreiben. Das bleibt auch im Krieg so."Am 1. April 2003 hat der Goslarer Stadtrat es abgelehnt, der der internationalen Städteinitiative Cities for Peace beizutreten. Es handelt sich dabei um einen inzwischen von weltweit mehreren hundert Städten unterstützten Appell gegen den Irak-Krieg (siehe www.citiesforpeace.org), der bereits auch über 160 US-amerikanischeStädte und zwei Bundesstaaten, aber auch etliche deutsche Städte, darunter Berlin, München, Fellbach, Göttingen und Liebenburg (!) beigetreten sind.
Die Bürgerliste hatte diesen Antrag eingebracht. Die CDU meinte, so etwas liege nicht in der Zuständigkeit eines Stadtrates, und kündigte juristische Schritte für den Fall einer Antragssannahme durch den Rat an. Oberbürgermeister Dr. Hesse (SPD), der am 15. März auf dem Goslarer Marktplatz bei der Kundgebung des Goslarer Friedensratschlages seine Unterstützung zugesagt hatte, bekräftigte diese Auffassung noch einmal. Gleichwohl entschloss sich die SPD-Fraktion aus Sorge um eine lange Geschäftsordnungsdebatte (und Angst vor der Bezirksregierung?), dann doch nicht zuzustimmen, sondern sich der Stimme zu enthalten. Auch die CDU enthielt sich, und damit jetzt wegen lauter Enthaltungen der Antrag nicht doch noch mit lediglich den beiden Stimmen von Henning Wehrmann und Jochen Baldauf (Bürgerliste bzw. Grüne) angenommen werde, trieb die ansonsten auch zu Enthaltung aufgelegte FDP eine Handvoll Gegenstimmen auf, so dass der Antrag durchfiel. Jetzt bleibt es den einzelnen Ratsdamen und -herren überlassen, privat den Aufruf von Cities for Peace zu unterschreiben...
Zum Trost: Die Goslarsche Zeitung vom 28. März 2003 hatte gemeldet, dass der Gemeinderat von Liebenburg nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen SPD und CDU einen Antrag der SPD-Fraktion angenommen hat, der internationalen Städteinitiative Cities for Peace beizutreten.BILD vom 24.3.2003 widmet fast die halbe Seite 5 (!) folgender Frage: Darf man so für Deutschland reden... wenn es um Krieg und Frieden geht?" Gemeint ist Joschka Fischers "merkwürdiger Aufzug" im Amtssitz des Bundeskanzlers: in brauner Lederjacke und schwarzem Strickpulli... Thema: die möglichen Reaktionen der Bundesregierung auf einen Einmarsch türkischer Truppen in den Nord-Irak.
Also: Ein gravierendes Problem: Nicht so sehr das wahrhaft heftige Problem, das sich aus einem solchen türkischen Einmarsch ergeben würde. Nicht so sehr das Grauen dieses Krieges vor allem auch für unzählige unschuldige Menschen. Nicht so sehr auch die Völkerrechtswidrigkeit dieses Krieges und die zweifelhafte Position der Bundesregierung hinsichtlich ihrer verborgenen Unterstützung dieses Krieges. Nein. Das entscheidende Problem: Fischers Kleidung. Armes (BILD-)Deutschland!
Wussten Sie, dass am 7. Oktober 2001, also vier Wochen nach den Attentaten auf das World Trade Center, in New York (!) mehr als zehntausend (!) Menschen gegen (!) den Krieg der USA in Afghanistan demonstriert haben ?
Und wussten Sie auch, dass die großen Fernsehsender der USA, des Landes der Pressefreiheit (???), nicht darüber berichtet haben? (siehe z.B. Frankfurter Rundschau vom 12.10.2001, S. 23)
Und wussten Sie auch, dass das amerikanische Fernsehen während des ersten Golfkrieges ständig über "chirurgische Schläge" gegen irakische Militärstellungen berichtete, obwohl, wie sich später herausstellte, ca. 700 000 Zivilisten (!!!) durch amerikanische Bomben und Raketen getötet wurden?
Und wussten Sie auch, dass die Londoner TIMES im Zweiten Weltkrieg im Interesse der Pressefreiheit sogar die amtlichen Tagesberichte der Hitler-Wehrmacht unzensiert veröffentlichte?