Ostermarsch 2003 des Goslarer Friedensratschlages
Abschlussrede von Bernd Krage-Sieber am 19.04.2003 auf dem Goslarer Marktlatz

Liebe Friedensfreundinnen und –freunde!

Was ist das für eine Welt ???


Was also ist das für eine Welt ???

Auf den ersten Blick ist es eine Welt zum Verzweifeln. Denn all diese Gegebenheiten sowie das Ausbleiben einer rechtlich zwingend gebotenen Kritik am Krieg von Seiten der etablierten Politik in Deutschland und Europa machen betroffen. Das erzeugt in uns ein Gefühl von Ohnmacht und Wut.
Natürlich sind wir gegen die Macht solcher Fakten, gegen Cruise missiles und Bombenflugzeuge, Kampfpanzer und High-Tech-Truppen macht- und wehrlos. Und dennoch:

Auf einen zweiten Blick sehen wir, dass die USA und GB diesen Krieg führen müssen

Seit Anfang dieses Jahres haben Irak-Krise und –Krieg eine kaum für möglich gehaltene  Bewegung bewirkt: global, gewaltfrei, realistisch. Und diese Bewegung verdient auf ihre Weise den Namen „vereinte Nationen“, und zwar vereinte Nationen von unten, auch wenn das eigentliche Ziel, diesen Krieg zu verhindern, nicht erreicht werden konnte.

Schauen wir uns im eigenen Land um:


Schauen wir auch in die USA:


Dies alles ist durchaus kein Anlass zum Jubel, aber doch ein Hinweis darauf, dass etwas Positives entstanden ist:

Dieses verbreitete Aufbegehren zeigt die gewachsene Sensibilität für zentrale Fragen internationalen Zusammenlebens. Diese Sensibilität gilt es festzuhalten und zu entwickeln.

Manche vollmundige Ablehnung dieses Krieges sehen wir aber auch mit gemischten Gefühlen:

Es gibt also keinen Grund, unseren politischen Führern unbeschwert zu glauben, dass sie schon deshalb Friedensengel seien, weil sie zur Zeit den US-Kriegskurs ablehnen.

Was ist zu tun?

Konkret gilt es zunächst zu sehen, dass es bei diesem Krieg nicht um Massenvernichtungswaffen des Irak, auch nicht um Demokratie oder um den sogenannten Kampf gegen den Terror geht, sondern

Es gilt auch zu sehen, dass  eine neue Ära vorgreifender „präventiver“ Kriege mit Einsatz von Atom- und anderen Massenvernichtungswaffen zur Durchsetzung globaler Machtinteressen eingeleitet werden soll.
Dazu sagen wir „Nein“, und wir wissen uns darin einig mit der weltweiten Friedensbewegung – einschließlich der US-amerikanischen.

Wir fordern daher,

Wir sehen uns als Teil einer weltweiten Antikriegs- und globalisierungskritischen Bewegung, die weiß, dass Frieden mehr ist als nur Abwesenheit von Krieg.

Wir sind angetreten, eine andere Welt möglich zu machen:

Hohe und hehre Ziele, gewiss – aber notwendige. Und wir vom Goslarer Friedensratschlag wollen versuchen, in dieser Richtung das zu tun, was wir dazu tun können. Und wir laden Sie und euch ganz herzlich dazu ein, mitzumachen.

Kriege bewirken Tod, Elend, Leid,  schaden der Wirtschaft insgesamt und den Einzelnen, berauben uns der Mittel zur Herstellung lebenswerter Bedingungen für die Armen und Benachteiligten dieser Welt.

Kriege wie der jetzige gegen den Irak befördern darüber hinaus weltweit Hass auf den Westen, Hass von Muslimen auf Christen und Ohnmachtsgefühle in vielen Gegenden der so genannten Dritten Welt, und sie nähren so auch die Bereitschaft zum individuellen Terror als einer Waffe der Ohnmächtigen.

Das dürfen wir uns nicht länger leisten!